Kreislaufwirtschafts-Pionier
Studio Formagora
Design trifft Kreislaufwirtschaft: studio formagora entwickelt zirkuläre Materiallösungen und Gestaltungskonzepte, die den Rohstoffeinsatz verringern und die Wiederverwendung fördern. Mit einem Fokus auf biobasierte und recycelbare Werkstoffe zeigt das Studio, wie ästhetische Gestaltung und ressourcenschonende Verfahren Hand in Hand gehen. Besonders für Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmen im Münsterland eröffnet sich hier ein innovativer Ansatz, um kreislaufgerechte Produkte und Produktionsprozesse zu etablieren. Ein wegweisendes Beispiel für zirkuläres Design in der Region.
Welche Bedeutung hat die Kreislaufwirtschaft für das Münsterland, und wie weit ist eurer Meinung nach die Region in der Umsetzung nachhaltiger Wirtschaftsmodelle?
Münster hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden. Dieses Ziel wird aller Voraussicht nach nicht eingehalten. Trotzdem sind unsere Ziele weiter hochgesteckt. Als reiche Region haben wir nicht nur die globale Verantwortung, mit gutem Beispiel voranzugehen. Wenn wir unseren Wohlstand zukunftsfähig machen wollen, müssen wir in die Kreislaufwirtschaft investieren. Das Zeitalter fossiler Rohstoffe ist vorbei. Je früher wir beginnen, uns daran anzupassen, desto besser wird es uns in Zukunft gehen. Vor allem auf der lokalen Ebene.
Durch bisherige Projekte als Designbüro kennen wir uns vor allem mit Holz und Holzwerkstoffen sowie recycelten Materialien aus. In diesem Bereich ist die Region leider noch am Anfang. Tausende Tonnen an Holz und Holzwerkstoffen aus dem Münsterland werden jedes Jahr thermisch verwertet, also verbrannt. Sehr viel im Holz gebundenes CO₂ wird dabei freigesetzt. Brauchbares Material wird unwiderruflich zerstört, nur um dann andernorts neu abgebaut zu werden. Andere Kommunen und Regionen sind da schon deutlich weiter, aber das Münsterland hat großes Potenzial.
Warum hat sich euer Unternehmen dazu entschieden, den Weg der Kreislaufwirtschaft einzuschlagen, und welche Bedeutung hat dieses Modell für euch?
Soviel wir können, greifen wir auf gebrauchtes Material zurück. Wir schaffen mit unserer Arbeit Erfahrungsräume – gebrauchtes Material hat noch einen Wert, das machen wir erlebbar.
Im Studium hatten wir die Freiheit, uns den aktuellen Fragen unserer Zeit zu stellen. In der Designbranche ist die Frage nach Material, Zirkularität und dessen Auswirkung auf Mensch und Umwelt sehr präsent, in der Berufspraxis bleibt das dann leider oft auf der Strecke. Also haben wir aus Überzeugung selbst gegründet und geben diesen Themen nun viel Raum. Die Umweltverträglichkeit nicht nur des Materials, sondern auch unseres Handelns spielt die zentrale Rolle in unserem Unternehmen und unserer Gestaltung.
Gibt es besondere Herausforderungen, die ihr bei der Umsetzung dieser Kreislaufwirtschaftsprozesse meistern mussten?
Als wir mit unserer Arbeit begannen, mussten wir z. B. vor den Wertstoffmulden der awm stehen und Menschen, die etwas entsorgen wollten, um Materialspenden bitten. Das war unglaublich zeitaufwändig.
Aber das Aufbereiten von Material ist sehr arbeitsaufwändig – vom Sammeln bis zum wertigen Material. Und diese Prozesse sind nicht entwickelt. Somit kann es wirtschaftlich kaum mit neuem Material konkurrieren.
Ein Beispiel: das Fällen, Entrinden, Entasten, Trocknen und Einschneiden neuer Bäume ist ein mittlerweile höchst technisierter und perfektionierter Prozess. Es gibt für jeden Prozessabschnitt eigens Maschinen, teils ganze Anlagen. Genau das brauchen wir nun für die Kreislaufwirtschaft. Prozesse müssen automatisiert werden – wir brauchen Maschinen, die diese Materialien so verarbeiten, dass sie konkurrenzfähig werden.
Aber wichtig ist auch: Unser Wirtschaftssystem preist die Zerstörung, die das Entnehmen von Material aus seinem Ökosystem auslöst, nicht ein.
Noch macht das unser Idealismus wett, es muss aber wirtschaftlicher werden. Das können kleine und mittelständische nicht allein, dazu muss zu viel entwickelt und investiert werden. Es benötigt kommunale Strukturen der Kreislaufwirtschaft. So wie unsere linearen Materialströme am Ende von kommunaler Hand aufgefangen werden, wie z. B. durch lokale Abfallwirtschaftsbetriebe, brauchen wir Unterstützung in der Kreislaufwirtschaft. Ein Konzept, mit dem innovative Kommunen gerade Erfahrungen machen, sind sogenannte Materialdepots. Orte der Kreislaufwirtschaft, in denen gesammelt, aufbereitet, ausprobiert und geforscht wird.

Das Projekt "Kreislaufwirtschaft Münsterland" wird mit Mitteln der Europäischen Union und vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.












