Pinte - Flüssig Brot. © Pinte

Kreislaufwirtschafts-Pionier

Pinte - Flüssig Brot.

Pinte - Flüssig Brot. © Münsterland e.V.

Das Projekt Pinte setzt ein innovatives Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung im Münsterland. Hintergrund ist die große Menge an Brotwaren, die trotz einwandfreier Qualität jährlich entsorgt werden. In Deutschland fallen pro Person in privaten Haushalten durchschnittlich 74,5 Kilogramm Lebensmittelabfälle pro Jahr an. Davon entfallen rund 9,7 Kilogramm auf Brot und Backwaren, wie Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) zeigen.

Statt diese Ressourcen ungenutzt zu entsorgen, verarbeitet Pinte überschüssiges Brot der lokalen Bäckerei Krimphove zu einem regional gebrauten Craftbier. Jeder Verkauf verbindet Abfallvermeidung mit sozialem Mehrwert, da ein Teil der Erlöse zur Unterstützung Bedürftiger eingesetzt wird. Weitere Informationen zum Projekt findest du im nachfolgenden Interiew.

Wie ist das Projekt entstanden?

Die Idee zu Pinte ist innerhalb von Enactus Münster e.V. entstanden. Der studentische Verein unterstützt Studierende dabei, nachhaltige und soziale Start-ups zu entwickeln und unternehmerische Verantwortung zu übernehmen. In diesem Umfeld haben wir uns intensiv mit dem Thema Lebensmittelverschwendung beschäftigt, insbesondere mit Backwaren: In Deutschland werden jährlich rund 6 Millionen Tonnen Backwaren produziert, jedoch landen nur etwa 62 % davon tatsächlich auf unseren Tellern.

Auf der Suche nach einer wirkungsvollen Lösung, um überschüssigem Brot sinnvoll zu begegnen, haben wir uns mit Enactus Aachen zusammengesetzt, die dort bereits erfolgreich ein Craftbeer aus Brotspenden verkauft haben. Gemeinsam haben wir das Konzept weitergedacht und die Idee des ersten deutschlandweiten Enactus-Franchises entwickelt, um ein erprobtes Erfolgsmodell zu skalieren.

So haben wir das „Flüssig-Brot“-Konzept nach Münster gebracht, regional weiterentwickelt und an lokale Partner angepasst. Ziel war es von Beginn an, den bestehenden Impact zu erweitern und ein übertragbares Modell zu schaffen, das in weiteren Städten umgesetzt werden kann.

Wie funktioniert Pinte - Flüssig Brot?

Wir arbeiten eng mit der regionalen Bäckereikette Krimphove zusammen, die von Anfang an von der Idee begeistert war und uns überschüssiges, aber noch genießbares Brot zur Verfügung stellt. Dieses Brot wird im Brauprozess teilweise als Malzersatz genutzt und zu einem hochwertigen Craftbeer weiterverarbeitet.

Die erste Verkaufscharge wurde in der Bonekamp Braumanufaktur gebraut. Mit wachsender Nachfrage haben wir das Projekt weiter skaliert und die letzten beiden größeren Brauungen in der Potts Brauerei in Oelde umgesetzt. So konnten wir Produktionsmengen erhöhen, ohne unseren regionalen und handwerklichen Anspruch zu verlieren.

Verkauft wird unser Craftbeer ausschließlich regional, in Bars, Kneipen und ausgewählten Einzelhandelsgeschäften im Münsterland. Genau dieser lokale Fokus spiegelt sich auch im Namen wider: „Pinte“ bedeutet auf Masematte sinngemäß Kneipe, ein Ort des Zusammenkommens, des Austauschs und des gemeinschaftlichen Genusses, der perfekt zu unserem Projekt passt.

Inwiefern ist für euch wichtig, mit anderen lokalen Akteuren zu kooperieren, um Kreislaufwirtschaft effektiv regional umzusetzen?

Für die erfolgreiche Umsetzung regionaler Kreislaufwirtschaft sind lokale Kooperationen essenziell. Nur durch die enge Zusammenarbeit mit der Bäckerei Krimphove, der Potts Brauerei, Gastronomie, Einzelhandel und der Tafel Münster können bei uns kurze Wege, transparente Prozesse und echte regionale Wertschöpfung entstehen.

Diese Partnerschaften ermöglichen es uns, Ressourcen sinnvoll weiterzuverwenden, Vertrauen bei Konsumentinnen und Konsumenten aufzubauen und soziale Wirkung direkt vor Ort zu entfalten. Gleichzeitig fördern sie den Austausch von Wissen und Ideen und machen Innovation im regionalen Kontext überhaupt erst möglich. Für Pinte ist Kreislaufwirtschaft deshalb kein isolierter Prozess, sondern ein gemeinschaftliches Projekt, das nur im Zusammenspiel mit starken lokalen Akteuren funktioniert.

Warum wollt ihr den Weg der Kreislaufwirtschaft konsequent weitergehen?

Unsere Vision ist es, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und bedürftigen Menschen gleichzeitig etwas zurückzugeben, indem wir soziales Engagement selbstverständlich in den Alltag integrieren. Wir möchten zeigen, dass Genuss und Verantwortung kein Widerspruch sind, sondern sich sinnvoll ergänzen können.

In der Region soll Pinte zu einem festen Lieblingsgetränk der Münsteraner*innen werden, ein Craftbeer, das man gerne bestellt, weil es schmeckt und gleichzeitig regionalen sozialen Impact schafft. So maximieren wir unsere Wirkung vor Ort und erweitern perspektivisch unsere Produktpalette, etwa durch neue Bierstile oder alkoholfreie Varianten.

Gleichzeitig denken wir über Münster hinaus: Unser Ziel ist es, das Pinte-Modell gemeinsam mit Studierenden in weiteren Städten umzusetzen. Dadurch ermöglichen wir es jungen Menschen, Entrepreneurship aktiv zu erleben, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen und wertvolle Praxiserfahrungen zu sammeln. Langfristig soll ein deutschlandweites Netzwerk entstehen, das Lebensmittel rettet, soziale Wirkung entfaltet und nachhaltiges Gründen fördert.

Woran wollt ihr noch arbeiten?

In den kommenden Wochen möchten wir vor allem unseren Produktkreislauf weiter schließen. Ein zentraler nächster Schritt ist die Weiterverarbeitung des beim Brauprozess entstehenden Trebers, der nährstoffreichen Getreidereste, die nach dem Maischen übrig bleiben. Gemeinsam mit der Bäckerei Krimphove arbeiten wir daran, diesen zu einem hochwertigen Treberbrot zu verarbeiten. So entsteht ein weiterer Produktkreislauf, der Lebensmittelabfälle noch konsequenter vermeidet.

Darüber hinaus wollen wir unsere Produktionsmengen stabilisieren, den Vertrieb weiter ausbauen und unsere Produktpalette gezielt erweitern, ohne dabei unseren regionalen und sozialen Anspruch zu verlieren. Parallel arbeiten wir an klaren Strukturen für unser Franchise-Modell, um Studierende in weiteren Städten noch besser begleiten und unterstützen zu können.

Warum verfolgt ihr den Kreislaufgedanken so konsequent?

Der Kreislaufgedanke ist das Herz von Pinte. Wir glauben, dass nachhaltige Lösungen nur dann langfristig funktionieren, wenn Ressourcen möglichst vollständig und sinnvoll weiterverwendet werden. Brot, das sonst entsorgt würde, wird zu Craftbeer. Der beim Brauprozess entstehende Treber wird wieder zu Brot verarbeitet. Die Erlöse kommen sozialen Projekten zugute und werden gleichzeitig in die nachhaltige Weiterentwicklung des Unternehmens investiert.

So entsteht ein regionaler Kreislauf aus Lebensmittelrettung, Genuss und sozialem Engagement, der ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit verbindet und zeigt, wie Nachhaltigkeit im Alltag konkret gelebt werden kann.

Neugierig geworden?

Du willst wissen, wie Pinte schmeckt? Derzeit kaufen kannst du das Bier in Münster in den folgenden Bars und im Einzelhandel: Fyal, Zwanzig20, Homebeis, Pottstill, Münster Souvenirs und Heimat Heroes.


Foto 1 zu Pinte - Flüssig Brot.

Das Projekt "Kreislaufwirtschaft Münsterland" wird mit Mitteln der Europäischen Union und vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.