Kreislaufwirtschafts-Pionier
Nevalu Circular Value GmbH
Zirkuläre Produktgestaltung trifft innovative Kreislaufwirtschaft: Nevalu setzt neue Maßstäbe für ressourcenschonende Verpackungen. Das Unternehmen entwickelt wiederverwendbare und recyclingfähige Lösungen, die Materialeinsatz minimieren und Wertstoffe im Kreislauf halten. Durch den Einsatz nachwachsender oder recycelter Werkstoffe sowie bedarfsgerechter Konstruktionen bietet Nevalu eine Alternative zu herkömmlichen Einwegverpackungen, mit Anwendungspotenzial für Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmen. Ein Beispiel dafür, wie der Einsatz zirkulärer Verfahren die regionale Wertschöpfung im Münsterland stärken kann.
Warum habt ihr euch dazu entschieden, den Weg der Kreislaufwirtschaft einzuschlagen, und welche Bedeutung hat dieses Modell für euch?
Unser Unternehmen hat sich bewusst für die Kreislaufwirtschaft entschieden, weil der schonende Umgang mit Rohstoffen für uns im Zentrum steht. Von Anfang an war es unser Ziel, Kreislaufprozesse in unser Geschäftsmodell zu integrieren.
Mit der Gründung von Nevalu haben wir uns dazu entschlossen, bei der Verarbeitung von Kunststoffen ausschließlich auf Rezyklate (recycelte Kunststoffe) zu setzen. Die Kreislaufwirtschaft ermöglicht es uns, Kunststoffabfälle zu reduzieren, indem wir diese durch 3D-Drucktechnologien in individuelle und ressourceneffiziente Produkte umwandeln. Bei jeder Entscheidung suchen wir die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit, um unseren finanziellen Erfolg mit ökologischer Verantwortung in Einklang zu bringen.
Was ist bei euch jetzt schon im Kreislauf? Könnt ihr uns erklären, wie dieser Prozess funktioniert?
Derzeit kooperieren wir mit Recycling Unternehmen, die Kunststoffabfälle aus der Industrie sowie von Abfallwirtschaftsbetrieben in Belgien, den Niederlanden und Deutschland beziehen. Die sortierten und gereinigten Kunststoffe, werden dort zu 3D-Druck-Filament verarbeitet, wobei sie in diesem Schritt auch ihre Farbe erhalten.
Mit diesem recycelten Filament produzieren wir dann neue Produkte direkt in unserem Shop in Münster sowie am Produktionsstandort in Altenberge. Dabei kommt ausschließlich Ökostrom zum Einsatz. Sollte es bei uns zu Abfällen oder Produktionsfehlern kommen, sortieren wir die Kunststoffabfälle sauber nach Materialtypen und führen sie wieder in den Kreislauf zurück, indem wir sie unserem Kooperationspartner zur Weiterverarbeitung zur Verfügung stellen.
Selbiges bieten wir auch unseren Kundinnen und Kunden an. Wir nehmen die Waren zurück und führen diese wieder dem Kreislauf zu.
Unsere Verpackungen werden zudem aus recyceltem Karton von einer benachbarten Druckerei produziert. Auch bei der Entwicklung neuer Produkte suchen wir zuerst nach regionalen Partnern. Das kann jedoch herausfordernd sein, etwa wenn es um die Beschaffung von Elektronikkomponenten für unsere Lampen geht.
Was waren oder sind Herausforderungen, die ihr bei der Umsetzung dieser Kreislaufwirtschaftsprozesse meistern musstet?
Die größten Herausforderungen sind die hohen Investitionskosten und das nötige Fachwissen. Der gesamte Recyclingprozess, von der Erkennung über die Reinigung bis zur Verarbeitung, erfordert spezialisierte Technologien, die für ein kleines Unternehmen schwer umzusetzen sind.
Deshalb wollen wir zunächst Filament aus bereits gereinigten Kunststoffabfällen selbst herstellen. Das würde es uns ermöglichen, unsere eigenen Produktionsabfälle direkt wiederzuverwerten – allerdings sind auch hier die Investitionen hoch.
Wie hat sich die Einführung dieser ressourcenschonenden Prozesse auf euer Geschäft ausgewirkt?
Unsere Kunden schätzen besonders die Kombination aus ansprechendem Design und Recyclinggedanken. Ohne den Fokus auf Ressourceneffizienz wäre unser Konzept unvollständig – ebenso würde die Nutzung sekundärer Rohstoffe ohne durchdachte Ästhetik nicht dieselbe Wirkung erzielen.
Welche wirtschaftlichen Vorteile hat es gebracht und warum wollt ihr diesen Weg konsequent weitergehen?
Es ist schwer, das eindeutig zu beziffern. Viele Kunden sind bereit, für nachhaltige und individuelle Produkte mehr Geld auszugeben, jedoch sind auch unsere Material- und Produktionskosten höher. Als junges Unternehmen mit einem klaren Fokus auf Rezyklate können wir noch keine langfristigen wirtschaftlichen Vorteile abschätzen.
Wir möchten langfristig nachhaltige, lokal hergestellte und personalisierte Produkte für viele Menschen zugänglich machen. Unser Ziel ist es, das Münsterland als Vorreiterregion der Kreislaufwirtschaft zu etablieren und mehr Prozesse der Wertschöpfungskette selbst abzubilden. Dazu zählt auch die eigene Filamentproduktion, um sauberen, sortenreinen Kunststoffabfall direkt von regionalen Unternehmen weiterzuverarbeiten. Zukünftig sollen Kunden ihren Kunststoffmüll direkt in unseren Stores recyceln und in ein neues Produkt umwandeln können.
Woran wollt ihr noch arbeiten?
Ein Ziel ist die Weiterentwicklung unseres Konfigurators, um ein noch interaktiveres Einkaufserlebnis zu schaffen. So wollen wir das Bewusstsein für Recycling weiter stärken.
Euer Beispiel zeigt, dass die Branche großes Potenzial für die Kreislaufwirtschaft hat. Was ratet ihr anderen Unternehmen, die diesen Weg einschlagen möchten?
Wir empfehlen, sich schrittweise an die Kreislaufwirtschaft heranzutasten, anstatt sofort die gesamte Produktion umzustellen. Ein erster Schritt kann sein, recycelte Materialien zu testen oder bestehende Produkte ressourcenschonender zu gestalten. Wichtig ist es, von Anfang an auf Transparenz zu setzen und Kunden über Nachhaltigkeitsaspekte aufzuklären. Kooperationen mit erfahrenen Unternehmen sind ebenfalls hilfreich.
Welche Maßnahmen und Unterstützungen wären besonders wertvoll auf dem Weg, mit diesen Herausforderungen umzugehen?
Wünschenswert wären staatliche Förderungen für nachhaltige Technologien sowie Zugang zu Wissen und Schulungen über Kreislaufprozesse. Netzwerke und Kooperationen mit anderen Unternehmen können helfen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Steuerliche Erleichterungen oder finanzielle Anreize würden den Übergang zusätzlich erleichtern.
Welche drei Ratschläge gebt ihr Unternehmen für die eigene Transformationsreise im Bereich Kreislaufwirtschaft mit?
1. Früh anfangen und klein beginnen:
Erst kleine Schritte unternehmen, z. B. mit recycelten Materialien arbeiten, bevor größere Veränderungen erfolgen.
2. In Partnerschaften investieren:
Kooperationen mit erfahrenen Unternehmen helfen, Wissen und Ressourcen zu teilen.
3. Bewusstsein bei Kunden und Mitarbeitenden schaffen:
Jetzt zu starten lohnt sich, da Nachhaltigkeit zunehmend ein Entscheidungskriterium für Kunden wird. Unternehmen, die frühzeitig auf Kreislaufwirtschaft setzen, sichern sich langfristig einen Wettbewerbsvorteil.
Inwiefern ist für euer Unternehmen wichtig, mit anderen lokalen Akteuren zu kooperieren, um Kreislaufwirtschaft effektiv regional umzusetzen?
Regionale Kooperationen sind essenziell, um nachhaltige Materialflüsse zu sichern. Durch lokale Vernetzung lassen sich Prozesse effizienter gestalten und recycelte Rohstoffe besser nutzen. So stärken wir nicht nur unser Unternehmen, sondern fördern gemeinsam eine ressourcenschonende Wirtschaft im Münsterland.
Welche Anreize schaffen lokale Institutionen und Netzwerke, um Unternehmen im Münsterland zur Kreislaufwirtschaft zu motivieren?
Projekte wie „Kreislaufwirtschaft Münsterland“ des Münsterland e.V., vernetzen Unternehmen und bieten Workshops, Beratungen und Veranstaltungen. Das REACH Euregio Start-up Center ergänzt diese Angebote, indem es junge Unternehmen mit Beratung und Mentoring unterstützt. Diese Initiativen erleichtern den Einstieg in die Kreislaufwirtschaft.
Warum macht ihr beim Projekt „Kreislaufwirtschaftsregion Münsterland“ mit und warum sollten dies auch andere tun?
Wir nutzen das Projekt, um uns mit anderen Unternehmen auf regionaler Ebene zu vernetzen und Erfahrungen auszutauschen. Die Teilnahme fördert nicht nur unser eigenes Unternehmen, sondern stärkt das regionale Engagement für eine nachhaltigere Zukunft.
Zum Abschluss: Wie sehen Sie die Zukunft der Kreislaufwirtschaft im Münsterland?
Die Region hat großes Potenzial, sich in der Kreislaufwirtschaft weiterzuentwickeln. Mit wachsender Unterstützung durch Institutionen und steigendem Bewusstsein in der Bevölkerung erwarten wir, dass immer mehr Unternehmen diesen Weg einschlagen.

Das Projekt "Kreislaufwirtschaft Münsterland" wird mit Mitteln der Europäischen Union und vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.












