Der Fluch von Haus Pröbsting
Die Story
Auf Haus Pröbsting bei Borken-Hoxfeld erzählt mangleich mehrere Legenden, die oft zu einer verschmelzen: Zum einen die einer Weißen Dame, zum anderen soll es einen Fluch geben, der mit der Erbfolge des Adelssitzes in Verbindung gebracht wird.
Das Haus wurde der Sage zufolge entgegen der vorgesehenen männlichen Erbfolge an die einzige Tochter vererbt. Ausgerechnet die entzürnte Mutter habe daraufhin das Anwesen verflucht. Ein Schreiber, der das Testament aufgesetzt habe, sei außerdem Opfer des Fluchs geworden. Wechselnde Besitzverhältnisse und Schicksalsschläge innerhalb der Besitzerfamilien wurden seitdem als Folgen dieses Fluchs gedeutet.
Zusätzlich gibt es auch am Haus Pröbsting eine legendäre Weißen Frau. Sie soll um Mitternacht erscheinen. Ihr bizarres Detail ist ein Sonnenschirm mit dem sie lautlos über das Anwesen schwebt. Wer diese Gestalt gewesen sein soll und ob ihre Erscheinung ursprünglich mit dem Fluch in Zusammenhang stand, lässt viele Fragen offen.
So verbinden sich rund um Haus Pröbsting verschiedene Erzählungen über Erbfolge, Unglück und eine geheimnisvolle Erscheinung.
Ein Fluch, viele Motive
Der Fluch von Haus Pröbsting verbindet typische Motive europäischer Sagen: Eine verletzte Ordnung hat Folgen über Generationen, das Familienschicksal ist an den Stammsitz gebunden und nur eine besondere Handlung kann das Unheil beenden. Auch in Westfalen sind solche Motive verbreitet, etwa Verstorbene, die wegen einer Schuld keine Ruhe finden.
Ein weiteres Motiv ist die Weiße Frau, eines der bekanntesten Schlossgespenster Europas. Häufig mit einem Adelsgeschlecht verbunden, kündigt die Erscheinung Tod oder anderes Unheil an.
Die Besonderheit in Pröbsting: Ausgangspunkt des Fluchs ist eine Erbregel. Eine Adelsfrau soll aus Zorn über die weibliche Erbfolge das Haus verflucht haben, sodass kein Besitzer dauerhaft bleiben könnte.
Darin lässt sich eine patriarchale Botschaft erkennen: Eine Abweichung von der männlichen Erbfolge zieht Unheil für die ganze Familie nach sich.
Wusstest du eigentlich...
…, dass Haus Pröbsting auch in der Literatur Spuren hinterlassen hat?
Einen literarischen Einblick bietet der 1915 erschienene Roman Haus Elderfing von Ilse von Stach (1879–1941). Die Schriftstellerin wurde auf Haus Pröbsting bei Borken geboren und verbrachte dort einen Teil der Kindheit. Erinnerungen an diese Zeit flossen später in den Roman ein. So verbindet das Buch einen realen Ort und persönliche Erlebnisse mit einer erfundenen Handlung.
Der Roman eröffnet damit einen weiteren Blick auf Haus Pröbsting. Allerdings ist ein Roman kein Tatsachenbericht: Erinnerungen und historische Hintergründe können mit frei erfundenen Ereignissen verbunden sein. Der Bezug zu Haus Pröbsting ist belegt. Ob auch die Fluchsage im Roman aufgegriffen wird, bleibt anhand der geprüften Quellen offen. Ein Beweis für den überlieferten Fluch ist das Buch nicht.
Die ULB in Münster verwaltet außerdem den Nachlass der Schritstellerin.









