Rentmeister Schenkewald vom Schloss Nordkirchen
Die Story
Im südlichen Münsterland erhebt sich mit Schloss Nordkirchen eines der bedeutendsten Barockschlösser Westfalens. Das prächtige Wasserschloss wird aufgrund seiner weitläufigen Anlage auch als „Westfälisches Versailles“ bezeichnet. Doch hinter den herrschaftlichen Mauern soll einst ein gefürchteter Rentmeister gelebt haben.
Der Sage nach behandelte Rentmeister Schenkewald die abgabepflichtigen Bauern mit großer Härte. Wer Pacht oder Zinsen nicht rechtzeitig zahlen konnte, wurde bedrängt, ausgepfändet oder sogar von Haus und Hof gejagt. Zugleich soll Schenkewald sich heimlich bereichert haben. Mehrfach wurde er von den Norkdkirchener Menschen verflucht, sodass er nach seinem plötzlichen Tod keine Ruhe fand. Nachts soll er heulend und polternd durch die Gänge und über die Treppen des Schlosses gezogen sein. Um den Spuk zu beenden, ließen die Schlossbewohner mehrere Messen lesen.
In einer finsteren Sturmnacht hielt schließlich eine prächtige Kutsche mit vier kohlschwarzen Pferden vor dem Schloss. Zwei Kapuzinermönche stiegen aus, holten Schenkewald und setzten ihn zwischen sich in den Wagen. Mit Blitzesschnelle fuhr das Gespann davon – mitten hinein in die Davert, wo er noch heute sein Unwesen treibt.
Zwischen Spukgeschichte und moralischer Warnung
Die Sage vom Rentmeister Schenkewald erzählt von Habgier, Machtmissbrauch und der Strafe nach dem Tod. Als Verwalter entschied Schenkewald über Abgaben, Schulden und damit über die Lebensgrundlage vieler Bauern. Seine rücksichtslose Amtsführung wird ihm schließlich zum Verhängnis: Nach dem Tod kehrt er als ruheloser Geist zurück.
Der verfluchte Rentmeister ist eine regionale Ausprägung des verbreiteten Sagenmotivs vom ungerechten Amtsträger, Verwalter oder Schreiber, der nach dem Tod keine Ruhe findet. Besonders häufig begegnet dieses Motiv in deutschsprachigen Regional- und Ortssagen. Vergleichbare Gestalten sind Amtmänner, Kämmerer, Schreiber, Steuereintreiber, Kornmesser, Gutsverwalter oder Grundherren.
Typisch für das Münsterland ist die Verbannung in die Davert. Der Spuk endet nicht, sondern wird lediglich verlagert. Die früher sumpfige und schwer zugängliche Waldlandschaft regte die Fantasie der Menschen an. In der regionalen Überlieferung galt die Davert sogar als Ort, an dem der Teufel zu Hause sei. Zahlreiche Sagen und Spukgeschichten sind mit dem Waldgebiet verbunden.
Wusstest du eigentlich...
..., dass der Rentmeister eine der wichtigsten Personen am Hof war? Er war für die Finanzen und die Verwaltung einer Herrschaft zuständig. Zu seinen Aufgaben gehörten unter anderem die Erhebung von Abgaben, die Verwaltung von Pachten und die Führung der Rechnungsbücher.
Ob Rentmeister Schenkewald tatsächlich in der überlieferten Form gelebt hat, ist nicht eindeutig belegt. Aus dem frühen 18. Jahrhundert ist jedoch ein Verwalter und Kämmerer mit dem Namen Johann Heinrich Schenckwald überliefert. Möglicherweise besitzt die Sagengestalt damit einen historischen Kern.
Heute ist Schloss Nordkirchen Sitz der Fachhochschule für Finanzen NRW. Mögliche Bezüge zum Schlossgespenst sind rein zufällig...









