Sagen und Legenden © Münsterland e.V./ andersart.ig

Sünte Rendel von Riesenbeck

Die Story

Sünte Rendel ist die plattdeutsche Bezeichnung für St. Reinhildis. Die Heilige ist besonders mit Riesenbeck und Westerkappeln im Tecklenburger Land verbunden. Laut der Pfarrgemeinde St. Reinhildis Hörstel wird Reinhildis als Märtyrerin aus dem Münsterland verehrt. Ihre Reliquien gelangten nach Riesenbeck, wo sich ihr Grabmal in der Kirche St. Kalixtus befindet.

Der Legende nach sei ein junges Mädchen namens Reinhild auf dem Knüppenhof in Westerkappeln geboren worden. Ihre Mutter und ihr Stiefvater hätten sie zu harter Feldarbeit gezwungen, die Sünte Rendel widerstandslos verrichtet habe. Lediglich wenn die Glocken zum Gottesdienst gerufen hätten, habe sie ihre Arbeit niedergelegt.

Während ihres Kirchenbesuchs sollen die Pferde die Arbeit auf dem Feld allein fortgesetzt haben. Der Überlieferung zufolge sei die Arbeit wie von Engeln verrichtet worden.

Ihre Eltern seien über die Frömmigkeit des Mädchens so erzürnt gewesen, dass sie Sünte Rendel gezüchtigt und in einen Brunnen gestoßen hätten. Engel sollen sie daraus gerettet haben. Da sie weiterhin den Gottesdienst besucht habe, habe ihre Mutter sie schließlich eines Tages umgebracht.

Der Leichnam sei daraufhin auf einen Wagen gelegt worden, den zwei Ochsen ohne menschliche Führung gezogen hätten. Von göttlicher Hand geleitet, sollen sie Sünte Rendel nach Riesenbeck gebracht haben, wo sie begraben worden sei. Der Überlieferung zufolge seien dort anschließend heilkräftige Quellen entsprungen.

Bis heute erinnern das Grabmal, der Reinhildis-Brunnen und das Ossenlock-Denkmal in Riesenbeck an Sünte Rendel.

Zwischen Heiligenlegende und Volksüberlieferung

Die Geschichte von Sünte Rendel gehört zu den Heiligenlegenden. Solche Erzählungen berichten häufig von besonderer Frömmigkeit, erlittenem Unrecht und Wundern, durch die die Heiligkeit einer Person zum Ausdruck kommt.

Die Reinhildis-Legende verbindet diese Elemente mit einem Motiv, das auch aus anderen Volkserzählungen bekannt ist: der Verfolgung durch die eigene Familie. Grausame Eltern oder Stiefeltern bilden dabei häufig den Gegenpol zur unschuldigen und tugendhaften Hauptfigur.

Auch mehrere Wunder unterstreichen die besondere Stellung Sünte Rendels: Engel sollen ihre Arbeit übernommen und sie aus dem Brunnen gerettet haben. Nach ihrem Tod hätten führerlose Ochsen den Ort ihrer Bestattung bestimmt. Tiere, die durch göttliche Führung einen heiligen Ort anzeigen, begegnen auch in anderen christlichen Legenden.

Hinzu kommt das Motiv der heilkräftigen Quelle. Quellen und Brunnen wurden im christlichen Volksglauben häufig mit Heiligen, Wundern und besonderen Orten verbunden.

Außerdem ergibt sich eine besondere Verbindung zwischen der Überlieferung und dem Schloss Surenburg: Die frühe schriftliche Aufzeichnung der Reinhildis-Sage wird mit Sweder von Schele in Verbindung gebracht, der 1629 auf der Surenburg zu Gast gewesen sein soll und bei einem Besuch der Kirche St. Kalixtus auf die Grabplatte der Heiligen aufmerksam wurde. So liegt Schloss Surenburg nicht im Zentrum der Sage, gehört aber zum historischen Umfeld ihrer Überlieferung.

Wusstest du eigentlich...

Das Ossenlock-Denkmal in Riesenbeck © Wikipedia/J.-H. Janßen
Das Ossenlock-Denkmal in Riesenbeck © Wikipedia/J.-H. Janßen

...dass die Sage neben einem eigenen Denkmal - dem Ossenlock-Denkmal in Riesenbeck - in mehreren historischen Drucken zu finden ist und sogar einige Gedichte die Geschichte der Sünte Rendel aufgreifen?

Schau doch mal nach: