Die Hünenborg bei Rheine
Die Story
In der Emsstadt Rheine erzählt man sich, dass auf dem dort gelegenen Thieberg einst ein Riese gehaust habe.
Die Einwohnerinnen und Einwohner hätten den Berg nach Einbruch der Dunkelheit gemieden. Mit seinen schweren Schritten habe der Riese den Boden zum Erzittern gebracht und Risse in der Erde hinterlassen.
Der Sage zufolge sei der Riese eines Tages verschwunden. Über die Ursache gibt es unterschiedliche Überlieferungen: Einer Erzählung nach sei er unter dem Berg eingeschlafen. Einer anderen zufolge habe der Riese seine Burg selbst mit Erde überschüttet, damit niemand in sein Reich eindringen könne. Geblieben sei allein der Name Hünenborg – die Burg des Hünen.
Heute sind auf dem Thieberg noch Spuren der ehemaligen Wall- und Grabenanlage zu erkennen. Auch der Name Hünenborg erinnert an die Überlieferung vom Riesen. Seit 1927 steht auf dem Gelände zudem ein steinernes Kriegerdenkmal.
Von der Wallburg zur Riesensage
Die Hünenborg auf dem Thieberg bei Rheine war keine Burg mit steinernen Mauern, sondern eine frühmittelalterliche Wallanlage. Keramikfunde deuten auf eine Nutzung im 8. oder 9. Jahrhundert hin. Möglicherweise diente die Anlage während der Sachsenkriege Karls des Großen als Fliehburg, in der Menschen, Vieh und Besitz in unsicheren Zeiten Schutz finden konnten.
Schriftlich ist die Anlage spätestens seit 1490 als „Hunnenborch“ belegt. Auch spätere Karten zeigen noch deutlich erkennbare Wall- und Grabenstrukturen.
Der Name Hünenborg dürfte zur Entstehung der Sage beigetragen haben. Als „Hünen“ wurden in Sagen häufig Riesen oder außergewöhnlich große Menschen bezeichnet. Auffällige Erdwerke, Grabhügel oder alte Befestigungen, deren ursprüngliche Entstehung nicht mehr bekannt war, wurden deshalb mitunter als Werke von Riesen gedeutet.
Die Sage vom Riesen auf dem Thieberg bietet damit eine mythische Erklärung für die mächtigen Wallanlagen und ihren überlieferten Namen. Sie verbindet einen realen historischen Ort mit einem in der europäischen Sagenwelt weit verbreiteten Riesenmotiv.
Wusstest du eigentlich...
…, dass die Hünenborg in Rheine eine wechselvolle Geschichte als Gedenkort hat? Das 1927 eingeweihte Kriegerdenkmal auf dem Thieberg erinnert an 780 im Ersten Weltkrieg gefallene Rheinenser. Ab 1933 nutzten die Nationalsozialisten die Anlage für Aufmärsche und Sonnenwendfeiern. Das Gedenken an die Kriegstoten wurde dabei für die NS-Propaganda und die Verherrlichung soldatischen Heldentums vereinnahmt.
Heute ist die Hünenborg ein Ort des öffentlichen Gedenkens: Zum Volkstrauertag finden hier die zentrale Gedenkfeier und Kranzniederlegung der Stadt Rheine statt. Zugleich dient das umliegende Gelände als Erholungs- und Begegnungsort. Panoramaliegen und das jährliche Drachenfest gehören zur heutigen Nutzung. Auch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bleibt Teil der Ortsgeschichte.








